Kurzurlaub im Süden.

Von Torsten Goffin

Es gibt kulinarische Erfahrungen, die kann man nach landläufiger Meinung nur im Süden machen. Zum Beispiel die des einfachen, ehrlichen und kleinen Mittagsimbiss', in dem alle Gäste, gleich welchen Standes, einträchtig und glücklich nebeneinander sitzen. Vom Anzugträger über die hochelegante, touaregfahrende Mittfünfzigerin bis hin zur jungen Familie mit fröhlich brabbelnd-sabberndem Kleinkind. Der Mahlzeiten serviert, die nicht nur schmecken, sondern auch sichtlich mit Liebe zubereitet wurden. Und der dabei zudem auch noch preiswert ist.

Stimmt, solche Erfahrungen macht man wirklich nur im Süden - um Beispiel dem von Köln. Tief im Herzen der Kölner Südstadt gibt es eine gastronomische Einrichtung, von der man kaum glauben kann, dass so etwas innerhalb deutscher Grenzen zu finden ist...

Etwas Wunderbares zwischen Imbiss und Restaurant: die Rosticceria Massimo

Rostcceria Massimo ist der Name dieser Lokalität und ihre Gattung ist weder mit dem Wort Imbiss noch mit dem Wort Restaurant hinreichend exakt beschrieben. In Wahrheit ist Massimo irgendetwas wunderbares dazwischen.
Für ein Restaurant geht es eigentlich deutlich zu gedrängt und eng, insgesamt zu stehtischig zu, für einen Imbiss andererseits ist das Essen eine Spur zu ambitioniert (wer hätte schon einmal von einem Imbiss mit obligatorischer Vorspeise gehört?) und der Laden selbst - man muss dieses Wort in diesem Zusammenhang völlig unironisch in den Mund nehmen - ist zu gemütlich.

Doch erst einmal zum Essen: Natürlich finden sich auf der großen Tafel an der Wand auch die anscheinend unvermeidlichen Pizze - doch der erfahrene Massimo-Besucher kommt hierhin, um Pasta zu essen. Von der gibt es eine Menge Varianten - angefangen von den Basics wie Penne oder Spaghetti Arrabiata für 4,80€ bis hin zu ambitionierteren Zubereitungen wie Pappardelle Ricotta e Salsiccia oder Spaghetti Scoglio für jeweils 9,90€. Insgesamt stehen 13 verschiedene Standard-Nudelgerichte auf der Karte, dazu kommen noch einmal ungefähr genausoviele Wochenangebote (al Polipo, Bottarga, con Carciofi), sowie die günstigen Basics (z.B.
arrabiata, amatriciana oder carbonara), die nur auf der großen Tafel an der Wand verzeichnet sind. Zusätzlich finden sich auch noch einige wenige Fleischgerichte auf der Karte (empfehlenswert: die Kalbsleber).
Obligatorisch ist bei allen Gerichten von der Karte die inbegriffene Vorspeise - zur Zeit entweder eine Kartoffelsalat/Bruscetta-Kombi oder eine fruchtige Tomatensuppe.

Man kann das Essen ohne zu übertreiben als gut, in Anbetracht der aufgerufenen Tarife sogar als außergewöhnlich gut bezeichnen. Trotzdem aber wäre es nichts, was für sich allein einen Blogeintrag wert wäre, wenn... ja, wenn die schon Eingang erwähnte ganz besondere Atmosphäre nicht wäre.

Beginnend mit dem Raum, der seine Vergangenheit als Imbiss in keiner Weise verleugnet. Drei kleine aber hohe Tische (so hoch, dass man auf Barhockern an Ihnen sitzt), dazu als weiterer Tisch und Rudiment vergangener Zeiten die mächtige lange ehemalige Theke laden zwar nicht wirklich zum Verweilen aber wenigstens doch zum kurzen Niederlassen für die Mahlzeit. In einer Ecke des Raumes hängt - inzwischen funktionslos geworden, weil die sich die Küche im Hinterraum befindet - ein alter Edelstahl-Dunstabzug, während an der Stuck-Decke ein alter, in die Jahre gekommener Kronleuchter stolz seine neumodischen Energiesparlampen präsentiert. Insgesamt 3 Schiefertafeln an den Wänden künden neben den fotokopierten Karten auf den Tischen von Spezial-, Standard- und Weinangebot.

Jene, die zu spät erscheinen - und dies ist bei der Beliebtheit des Etablisements im Viertel schnell geschehen - haben aufgrund der Höhe der Tische wenigstens die Möglichkeit, sich dazuzustellen, irgendwo ein paar freie Quadratzentimeter Stellfläche für Teller und Gedränk zu erhaschen und glücklich aufzugehen in der Gemeinschaft der hungrigen Mäuler. Oder aber im Türrahmen beim familiären Plausch mit dem Personal zu warten, bis sich irgendwo ein freies Plätzchen findet.

Zugegeben - die relative Enge, die familiäre Ansprache und das wenigstens zeitweilige Gedränge muss man mögen. Menschen mit ausgeprägter Kontaktscheu oder solchen, die ihre Mittagsmahlzeit in möglichst distinguierter Ruhe zu sich nehmen wollen, kann man das Massimo nicht wirklich mit gutem Gewissen empfehlen. Den anderen aber sei Besuch - und damit ein Kurzurlaub im Süden - wärmstens ans Herz gelegt.

ROSTICCERIA MASSIMO
Italienischer Spezialitäten-Imbiss

Alteburger Str. 41
50678 Köln

Mo-Fr. 12:00 - 22:00
Sa-So: 17:00 - 22:00

Tel.: 0221 - 34 89 601

 

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