Support your local... Merguez
von Torsten Goffin
Kennengelernt habe ich sie vor einigen Jahren durch einen Freund, der sie „auf Montage“ im Saarland entdeckt mit ins Rheinland gebracht hatte. Von der Saar ist es ja bekanntermaßen nach Frankreich nicht weit und dort bekommt man sie – Frankreichs Kolonialvergangenheit in Nordafrika sei Dank – wirklich überall: Die Rede ist von Merguez, den kleinen, scharf gewürzten Bratwürsten.
Inzwischen findet man sie auch im restlichen Deutschland immer öfter. Selbst das zum LIDL-Konzern gehörende Kaufland hat inzwischen in der Grillsaison etwas im Sortiment, das sich Merguez nennt. Und auch die Zulieferindustrie für den nicht mehr selbst würzenden Metzger – also die überwältigende Mehrheit – hat reagiert und bietet Fertigmischungen an, die auf den gleichen Namen hören.
Allein – der Kauf solchermaßen hergestellter Würste endet meist in einer bitteren Enttäuschung. Denn mit der ursprünglich aus Nordafrika stammenden, scharf gewürzten Wurst aus Lamm- und zuweilen auch Rindfleisch haben diese Fleischschläuche selten etwas zu tun. Zu kastriert ist in aller Regel die Würzung, um die vermeintlich empfindlichen deutschen Gaumen nicht durch ein viel an Schärfe zu irritieren.

Doch wer danach sucht, kann hier in Köln der mit roter Farbe und etwas Kreuzkümmel maskierten Beliebigkeit entrinnen. Denn im Süden der Stadt gibt es einen Laden, in dem man „the real stuff“ erwerben kann. Merguez, von rassiger Schärfe und authentischer Würzung, so, wie es sich gehört, nur aus Lamm- und Rindfleisch hergestellt.
Relativ fettem Fleisch im Übrigen, weshalb das Anpieksen während des Bratens obligatorisch ist. Das hat dann zwar zur Folge, das die ohnehin schon eher dünnen (ungefähr so stark wie Nürnberger) Würste noch einmal erheblich an Volumen verlieren und man zum Schluß kaum mehr als bleistiftdicke Würste in der Pfanne oder auf dem Grill hat, die sind dafür dann aber auch von allergrößter Delikatesse.

Doch zurück zur Quelle: Die liegt, ein wenig versteckt, ganz unscheinbar hinter der Rotunde am Salierring auf dem Pantaleonswall 30 und hört auf den Namen Tanger-Lebensmittel. Zwei aus – wen wundert’s – Tanger in Marokko stammende Brüder betreiben unter diesem Namen einen Laden, der sich auf Lebensmittel für die nordafrikanische Küche spezialisiert hat. So gibt es dort gibt es nicht nur die besten und authentischsten Merguez von Köln (selbstverständlich aus eigener Herstellung), sondern auch noch hervorragendes Lammfleisch, Geflügel sowie Kalb und Rind. Und für diejenigen, denen die klassische nordafrikanische Würzung der Merguez zu scharf ist (wie zum Beispiel meinem 2 1/2 jährigen Patensohn), gibt es auch noch eine entschärfte Version der Bratwurst mit der lustigen roten Farbe.

Geführt wird das Geschäft von Younes Mahi Settouti, der einem auch bei Fragen freundlich und kenntnisreich zur Seite steht. Seit 1994 ist der Laden jetzt in der Stadt. Anfangs in der Nähe des Heumarkts, dann etwas weiter vorne am Pantaleonswall und jetzt eben am Pantaleonswall 30. Neben hervorragenden Fleisch und Wurstwaren findet man dort aber auch sonst alles, was man für die Nordafrikanische Küche braucht. Gewürze, zum Beispiel. Oder Harissa. Oder Ras el Hanout. Tajine in jeder nur denkbaren Größe. Auch die für die Nordafrikanische Küche unverzichtbaren Salzzitronen finden sich hier.

Kurzum, der Laden ist nicht für Freunde der nordafrikanischen Küche ein Geheimtip – ach, was: Er ist ein kleines, funkelndes Juwel. Ein paar Quadratmeter Bazar mitten in Köln. Ein Besuch dort sei hiermit allerwärmstens empfohlen...
Tanger Lebensmittel
Pantaleonswall 30
50676 Köln
Tel.: 0221 2789618
Öffnungszeiten:
| Mo – Do: | 10:00 – 13:00 und 14:00 bis 19:00 Uhr |
| Fr: | 10:00 – 12:00 und 15:00 bis 19:00 Uhr |
| Sa: | 10:00 – 16:00 Uhr |
Website: http://www.tanger-markt.de/home/index.htm