Support your local... Fleischversorgung Köln (ein Nachruf)
Fleischversorgung Köln - Schlachthof Köln

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Öffentliche Daseinsvorsorge

Von Torsten Goffin

Fleischversorgung Schlachthof Kölln

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Das Wort macht einen unwillkürlich schaudern. Nach Antragsformularen hört es sich an, nach staubigen Aktendeckeln, nach Pflichterfüllung und sturer Prinzipienreiterei. Nach allem möglichen - nur nach einem nicht: nach Genuss. Und doch ist dieser Begriff eng mit einem Verlust kulinarischer Natur verknüpft, den diese Stadt in den letzten Wochen erlitten hat.

Am 31.5 schloss nämlich – von den Kölner Bürgern weitestgehend unbemerkt – der kommunale Schlachthof Kölns für immer seine Tore. Eine Tradition von immerhin über 600 Jahren, die letzten 100 davon am jetzigen, finalen Standort in Neuehrenfeld fand damit ihr wohl unwiderrufliches Ende. Nicht, dass diese Schließung überraschend gekommen wäre - zu oft war in der Lokalpresse von Streitigkeiten zwischen Stadt und Betreibergesellschaft, der Fleischversorgung Köln, offenen Mietzahlungen und  Gebührenrechnungen zu lesen. Aber das Ergebnis - kein Schlachthof mehr auf Kölner Boden - stimmt mich doch recht nachdenklich.

 

 

Noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zählte das Unterhalten eines Schlachthofs zu eben jenen Aufgaben, die unter dem Begriff "öffentlicher Daseinsvorsorge" fielen. Undenkbar, dass eine Stadt von der Größe Kölns nicht in der Lage oder Willens gewesen wäre, zur Versorgung und zum Wohl ihrer Bürger einen eigenen Schlachthof zu unterhalten. So undenkbar, dass Anfang der 1970er Jahre, als der Betrieb der vormals städtischen Einrichtung in die Hände einer privatwirtschaftlich organisierten Betreibergesellschaft gelegt wurde – übrigens als erster privatisierte Schlachthof der Bundesrepublik – , die Stadt Köln die Verpflichtung einging, bei Aufgabe des Schlachtbetriebs notfalls einzuspringen selbst weiterzuschlachten – aus Gründen der "öffentlichen Daseinsvorsorge" eben.

Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Heute will davon niemand etwas mehr wissen. In Zeiten von Kostendruck, gnadenlosen Preiskämpfen und Großschlachtereien waren die Chancen auf einen Erhalt der Einrichtung aussichtslos geworden. Wegen "erheblicher Verluste" wurde der Schlachtbetrieb (zuletzt ohnehin nur noch 2 mal in der Woche von 2 Betreiben durchgeführt) eingestellt und per städtischem Dringlichkeitsbeschluss die alten Verträge - inklusive der städtischen Verpflichtung zum Weiterführen des Betriebs - gekündigt.

 

Die nächsten Großschlachthöfe finden sich nun in Euskirchen, Bochum und Krefeld. Kleinere Schlachtstätte zu unterhalten wird wegen der strengen EU-Vorgaben auch immer schwerer. Erst Anfang 2010 sind die Anforderungen nochmals verschärft worden. Zwei Kühlhäuser, getrennte Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsräume, gekühlte Abfalltonnen, Fettabscheider und Abwasserreinigungsanlagen bedeuten einen Aufwand, der für Kleinbetriebe kaum rentabel zu betreiben ist.

Eine Reaktion der Öffentlichkeit oder gar Proteste gab es auf die Schließung der Schlachthöfe jedoch nicht. Natürlich, Schlachten ist ein Tabuthema und Demonstrationszüge durch die Stadt mit "Das-Schlachten-darf-hier-nicht-aufhören!" oder "In-Köln-muss-weiter-Tier-Blut -ließen!"-Plakaten sind unvorstellbar.

Doch das Ergebnis - weitere Konzentration auf wenige Großschlachtereien, damit verbunden weitere Wege für die Schlachtvieh-Transporte und einhergehend eine immer schlechter werdende Nachvollziehbarkeit der Fleisch-Herkunft - stimmt doch recht nachdenklich. Allzu tief scheint der Gedanke, dass lokale/regionale Bezüge das neue Thema im Lebensmittel-Marketing sind, anscheinend noch nicht vorgedrungen zu sein. Für den Bereich Tierschlachtung ist jetzt das Gegenteil jedenfalls dauerhaft zementiert.

 

Eine alternative Nutzung im kulturellen Bereich, so, wie in vielen anderen Kommunen, wird das Gelände an der Liebigstraße aber nicht erfahren – es ist inzwischen an den Lebensmittelgroßhändler Möllers verkauft. Einige werden vielleicht die überall im Stadtbild anzutreffenden Lieferwagen des Gastronomie-Lieferanten kennen. Laut Kölner Stadtanzeiger will die Firma das Areal als „Frischezentrum“ und Gewerbegebiet für Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel und Gastronomie-Belieferung erhalten.

 

Links zum Thema:

Auf der Seite der ehemaligen Betreibergesellschaft finden sich einige schöne Abbildungen aus der Geschichte der Kölner Schlachthöfe sowie eine tabellarische Chronik:

http://www.fvk-koeln.de/neuseit/histor.html

 

Bilderbuch Köln, einige schöne historische Fotos:

http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/93265

 

Wikipedia zur Historie und Gegenwart von Schlachthöfen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlachthof

 

 

» Ihr Kommentar

Claus:
Es ist wirklich traurig! Bei uns (Neuwied, Koblenz) gibts schon ewig keinen Schlachthof mehr. Und die Metzgereien? Der Cousin meiner Frau, Metzger mit Leib und Seele, hat die Schlachterei aufgegeben, Scheiß-Richtlinien!

Hesting:
Ganz großes Aua.



 

 

 

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